Als die ersten Demoaufnahmen von ‘kleine, geile Welt’ zur Bemusterung umhergehen, werden tatsächlich einige Plattenfirmen hellhörig.
Die Kombination aus deutschen Texten, Hip Hop Gesang und Space Gitarren ist in den 90ern noch absolut up to date.

Dank Verena – Rolfs große Liebe und Freundin -, die nun mal zufällig bei Chlodwig Musik / BMG arbeitet, gelangt das Tape recht schnell in die Chefetagen und wird zum Tagesgespräch. Zur grossen Freude der Grafen, beginnen sie bereits damit, den zu erwartenden, imaginären, grossen Geldregen auf alle ihre persönlichen Annehmlichkeiten möglichst gerecht zu verteilen.

Underground Köln Ehrenfeld

Graf Koks lebt auf grossem Fuß. Frühstück im Underground. Chill Out mit Weizen im Biergarten, abends lecker essen, danach in die Clubs und zu guter Letzt – wie fast jede Nacht – treffen sich alle bis Sonnenaufgang auf ein letztes, feines Gaffel-Kölsch im Roxy wieder. Ein recht komfortables Leben eben.

Wie gut, daß man bereits damit beginnt, Graf Koks als Teil einer Kampagne zwischen VIVA und BMG fest einzuplanen. Chlodwig Musik gibt einen Sampler raus und die Bands werden über Liveauftritte und Videoclips deutschlandweit bekannt gemacht.
‘Tolle Idee!’ finden die Jungs von Graf Koks und bereiten sich auf einen prall gefüllten Terminkalender vor, der da wäre: Morgens Frühstück im Underground, dann Bandprobe, zwischendurch Videoclip für VIVA, abends selbst im Club spielen und bis zum Morgengrauen im Roxy hängen. Rock ‘n Roll!

Schade nur, daß das feudale Leben in der Summe doch recht kostspielig ist und zu diesem Zeitpunkt – ausser durch die Livegigs – so gut wie keine Kohle reinkommt.
‘Wir brauchen dringend einen Termin für ein Meeting mit Chlodwig Musik’, und nur wenig später sitzen Rolf und der Pfütze beim Karl-Heinz Pütz (†) im Büro und schwadronieren bei einem lecker Tässchen Kaffee über die Zukunftsperspektiven von Graf Koks. Doch während man noch so gemütlich über das Musikbusiness im allgemeinen und speziellen philosophiert, schießt es plötzlich aus Rolf heraus:
“Fünfzigtausend!”,
(dieser Betrag ist wohl kalkuliert und beinhaltet durchaus die Kostendeckung der laufenden Ausgaben…).
Plötzlich Stille. Und der liebe Karl-Heinz kann sich das Grinsen nicht verkneifen:
“Fünfzigtausend?”
“Jooooaaaa.” nicken Pfütze und Rolf.

her mit der Kohle

“Nö.” meint Karl-Heinz und die Grafen müssen jetzt sogar selber lachen.
Freundlich, aber bestimmt werden die beiden zur Tür begleitet.
Das wars wohl mit dem Major Deal.

Zum Glück ist den Grafen bei Chlodwig niemand böse und sie dürfen ihren Song für den Sampler sogar mit bei einem deutschen Spitzenproduzenten aufnehmen.

2 thoughts on “Fünfzigtausend – oder (fast) ein Major Deal

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